[abgedruckt in: DEUTSCHE SPRACHWELT, 15. Ausgabe, 20. März 2004, Seite 10]
Mittlerweile sind es schon zehn Akademien, die dafür eintreten, die Rechtschreibreform rückgängig zu machen. Nachdem die Akademiepräsidenten bereits im vergangenen November mit ihrem Protest auf sich aufmerksam gemacht hatten (vergleiche DSW 14, Seite 10), wandten sie sich Ende Februar erneut mit einem Offenen Brief an die Kultusministerkonferenz.
Sie antworteten damit auf den eben im vierten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung bekanntgewordenen Wunsch, die Hoheit über die deutsche Rechtschreibung der Kommission zu übertragen: Angesichts der bisherigen Arbeitsweise und der bisherigen Arbeitsergebnisse der Kommission halten wir eine solche Ermächtigung nicht nur für bedenklich, wir halten sie für eine Gefahr für Bestand und Entwicklung der deutschen Schriftsprache.
Die in der Kommission vertretenen Wissenschaftler hätten ein Werk getan, das dringend der Überprüfung durch unabhängige sprachwissenschaftliche Instanzen bedarf. Die Akademien sind bereit, bei der Neugestaltung der betreffenden Gremien mit dem in ihnen konzentrierten Sachverstand zur Seite zu stehen. Sie fordern von den Kultusministern: Nehmen Sie Ihre politische Verantwortung für die deutsche Rechtschreibung wahr!
Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem die Präsidenten Adolf Muschg von der Berliner Akademie der Künste, Wieland Schmied von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und Peter Graf Kielmansegg von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. (dsw)