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Brain up? Shut up!

Zum Wettbewerb „Brain Up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten“

Von Prof. Dr. Hans-Manfred Niedetzky
1. Vorsitzender des Vereins für Sprachpflege

Helmut Kohl nannte Deutschland einst einen kollektiven Freizeitpark. Wenn es das nur wäre! Mittlerweile verstärkt sich der Eindruck, daß wir auf dem besten Weg ins Tollhaus sind. Toll Collect haben wir ja schon. Aber jetzt kommt es schlimmer: Brain Up!, ein von der Wissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn ausgeschriebener Wettbewerb. Zugegeben, die Dame kupfert nur ab, schließlich gibt es schon ein Gedächtnisspiel gleichen Namens. Es hätte ja auch verwundert, wenn der Edelgard etwas Eigenständiges eingefallen wäre. Ein Blick ins Oxford Dictionary zeigt, daß es „brain“ auch als Verb gibt: I'll brain you. Diese umgangssprachliche Redewendung bedeutet: Du kriegst gleich eins über die Rübe! Ist es das, was Frau Bulmahn insgesamt mit den deutschen Hochschulen vorhat? Ihre bisherigen Initiativen und Gesetzesvorlagen legen den Verdacht nahe. Was sie jetzt als Innovation verkaufen möchte, die Trennung von Lehre und Forschung, das Hätscheln weniger Eliteuniversitäten bei gleichzeitigem Aushungern der übrigen Hochschulen, daran ist Frankreich schon gescheitert, wie der gerade veröffentlichte Bericht „Education et croissance“ zeigt.

Mangels vorzeigbarer Erfolge verwendet Bulmahn vermehrt Anglizismen, schließlich kann man da Weltläufigkeit vorgaukeln, obwohl nicht einmal heiße Luft dahintersteckt. Heinrich Lübkes „You are heavy on wire“ erscheint geradezu genial gegenüber der „brainless message“ einer angeblichen Wissenschaftsministerin, der man am liebsten auf englisch Shut up! (Halt's Maul) zurufen möchte. Was ist von einer Wissenschaftsministerien zu halten, die nach mehrjähriger Amtszeit noch nicht einmal weiß, wo in Deutschland die Spitzenhochschulen zu finden sind? Diese Wissenslücke mit einem Wettbewerb „Brain Up!“ schließen zu wollen verdeutlicht doch nur, daß sie erstens von ihrem Ressort nicht den blassesten Schimmer hat und zweitens irgendwelchen Beratereinflüsterungen unverzüglich folgt. Und so jemand soll über die Zukunft des Wissenschaftsstandorts Deutschland bestimmen? Frau Bulmahn ist zu empfehlen, erst einmal die Grundregeln systematischen Denkens zu erlernen, am besten anhand eines Forschungsprojektes über die Winderosion bei Transversaldünen in der Wüste Namib.

Wer sich über diese harschen Worte ereifern sollte, dem sei auf gut deutsch erwidert: Auf einen groben Klotz gehört eben ein grober Keil!


Was halten Sie von „Brain up“? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Schreiben Sie einen Protestbrief an Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (bitte Kopie Ihres Schreibens an uns).


Wer's nicht glauben will: Zur Pressemitteilung der Bundesregierung...

Auf dem Weg zur Dieter Bohlen University...

Edelgard Bulmahn am 26. Januar 2004 in Berlin: „Ich möchte diese positive Leistungsspirale in Gang setzen. Deshalb starte ich den Wettbewerb: Brain up! Deutschland sucht seine Spitzenuniversitäten! Ich möchte mit deutschen Spitzenuniversitäten die klügsten Köpfe gewinnen!
1. Alle deutschen Universitäten können sich bewerben. Die Universität selbst, das Sitzland, die Stadt, Politik und Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft sollen mobilisiert werden, um „ihre“ Universität nach vorne zu bringen.
2. Die Universitäten zeigen in einer Skizze auf, mit welcher Strategie sie in die internationale Spitze vordringen wollen. Der Wettbewerb zielt darauf, vorhandene Stärken sichtbar zu machen und das Potenzial der Universitäten gezielt weiter zu entwickeln. Außerdem sollen die Universitäten passende Partner - Forschungsinstitute und Wirtschaftsunternehmen – einbeziehen. Ein Ziel ist es: Die Forschung zurück auf den Campus zu holen.
3. Eine Jury aus nationalen und internationalen Experten beurteilt und wählt bis zu 10 Entwürfe aus. Die ausgewählten Universitäten unterstützt der Bund finanziell dabei, ihre Entwürfe zu einem umfassenden Konzept auszuarbeiten.
4. In einer zweiten Runde wählt die Jury dann die Gewinner! Der Bund wird den ausgewählten Besten für mindestens fünf Jahre, jährlich, je 50 Mio. Euro geben, um ihre Konzepte umzusetzen. Dies wäre 2006 zum ersten Mal der Fall.
5. Bevor die fünf Jahre für die zuerst prämierten Universitäten abgelaufen sind, startet der Wettbewerb erneut. Hiermit möchte ich erreichen, dass auch andere Universitäten eine Chance erhalten und die bereits geförderten Universitäten ihre Exzellenz im Wettbewerb nachweisen.
Die Auswahl- und Entscheidungskriterien für diesen Wettbewerb müssen sehr sorgfältig überlegt sein. Ich denke zunächst an: wissenschaftliche Exzellenz, Einbeziehung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, Höhe der eingeworbenen Drittmittel, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Internationalisierung, modernes Management und Studierendenbetreuung.
Meine Vorschläge werde ich am 29. März in der BLK mit den Ländern besprechen.
Der Wettbewerb soll noch vor der Sommerpause starten.“

 
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