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Wahlprüfsteine für die Landtagswahl in Baden-Württemberg

Antwort der F.D.P./DVP (in hergebrachter Rechtschreibung)

1. Wie beurteilt Ihre Partei die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit unnötigen Anglizismen?
Zusammenfassung: Die FDP zweifelt, ob unsere Sprache von Anglizismen durchdrungen wird, lehnt aber Modeausdrücke und unscharfen Ausdruck ab.

2. Welche Maßnahmen wären nach Ihrer Ansicht denkbar, um diesem kulturellen Verfall Einhalt zu gebieten?
Zusammenfassung: Die FDP ist gegen ein Sprachgesetz und verweist auf die Pflicht der Schulen, für eine gepflegte Sprache zu sorgen.

3. Gerade auch im öffentlichen Bereich, in Ministerien, Verwaltungen usw. sitzen Sprachpanscher zuhauf. Wie würde Ihre Partei zukünftig die Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen im Sprachgebrauch anmahnen?
Zusammenfassung: Die FDP setzt sich dafür ein, "daß amtliche Texte jeder Art in korrekter, hinreichend präziser und nach Möglichkeit allgemeinverständlicher Sprache abgefaßt werden".

4. Aus Wirtschaftskreisen werden Forderungen laut, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen. Wie steht Ihre Partei zu solchen Ideen?
Zusammenfassung: Die FDP ist offenbar nicht gegen Englisch als zweite Amtssprache.

F.D.P./D VP FRAKTION
im Landtag von Baden-Württemberg
Stellvertretender Geschäftsführer
Dr. Rainer Graf

Herrn Professor
Dr. Hans-Manfred Niedetzky
Lärchenstr .27
75331 Engelsbrand

15. Februar 2001

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Niedetzky,

für die Arbeitsgemeinschaft der baden-württembergischen Regionalgruppen im Verein Deutsche Sprache e.V. haben Sie sich unter dem Datum Januar 2001 mit Ihren Wahlprüfsteinen zur Entwicklung der deutschen Sprache an Herrn Dr. Döring gewandt, der mir Ihr Schreiben, dort eingegangen am 5. Februar, mit der Bitte um Beantwortung übermittelt hat. Ich bin als Berater der FDP/DVP-Landtagsfraktion für die Bereiche Schule und Hochschule zuständig (und von Haus aus gelernter Germanist, speziell Dialektologe). Die Vorsitzenden Ihrer Regionalgruppen, die die "Aktion Wahlprüfsteine" unterstützen und ebenfalls um Antwort gebeten haben, erhalten eine Kopie dieses Schreibens.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Rainer Graf

Wahlprüfsteine zur Entwicklung der deutschen Sprache

1. Wie beurteilt Ihre Partei die zunehmende Durchdringung der deutschen Sprache mit unnötigen Anglizismen?

Die überhäufte Verwendung derzeit vor allem von Anglizismen etwa in der Sprache der Werbung, aber auch in anderen Bereichen der „Sprachanwendung“, ist mindestens dort ein Ärgernis, wo sie dem Sinn von Sprache, Mittel der Verständigung zu sein, nicht entspricht oder gar zuwiderläuft. Dies scheint uns freilich zugleich auch die (sprach)natürliche Hemmschwelle für eine dauerhafte Verwendung und Übernahme zu sein. Die heutige Werbesprache, auch etwa die heutige Jugendsprache, sind nicht das Deutsch von morgen. Insofern haben wir Zweifel, ob es berechtigt ist, von einer zunehmenden Durchdringung der deutschen Sprache mit Anglizismen zu sprechen. Die häufig nichts weiter als modische Verwendung von Anglizismen befürworten wir ebenso wenig wie jedes Nachlassen im Bemühen um die Verwendung des sprachrichtigen und die gemeinte Sache treffenden Ausdrucks.

2. Welche Maßnahmen wären nach Ihrer Ansicht denkbar, um diesem kulturellen Verfall Einhalt zu gebieten?

Wir denken jedenfalls nicht an gesetzgeberische Vorgaben, die als solche letztlich auch nicht erfolgreich sein könnten. Aber wir nehmen die Pflicht der Schule sehr ernst, jedem Schüler hinreichende Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift und auch das Bewußtsein für einen pfleglichen Umgang mit der Sprache zu vermitteln. Um den eigenen pfleglichen und bewußten Umgang mit der deutschen Sprache sind wir bemüht, allerdings gerade im politischen Geschäft nicht gegen Fehler und auch Moden völlig gefeit.

3. Gerade auch im öffentlichen Bereich, in Ministerien, Verwaltungen usw. sitzen Sprachpanscher zuhauf. Wie würde Ihre Partei zukünftig die Vorbildfunktion öffentlicher Einrichtungen im Sprachgebrauch anmahnen?

Die Kritik an Kompliziertheit und mangelhafter Verständlichkeit beispielsweise der Texte von Gesetzen und Verordnungen ist sicher weithin berechtigt. Dies auf das Wirken von „Sprachpanschern“ zurückzuführen, scheint uns freilich zu einfach (im übrigen nehmen wir an, daß Sie in diesem Zusammenhang nicht primär die Verwendung von Anglizismen im Auge haben). Wir sind nach unseren Kräften bemüht, daß amtliche Texte jeder Art in korrekter, hinreichend präziser und nach Möglichkeit allgemeinverständlicher Sprache abgefaßt werden. Daß dies bisweilen miteinander konkurrierende Ziele sind, ist Ihnen bekannt. Die etwa beim Deutschen Bundestag bestehende Einrichtung zur entsprechenden Überprüfung von Gesetzestexten kann auch aus diesem Grund letztlich nur begrenzt erfolgreich sein (die bisweilen als sprachliches Vorbild herangezogenen Zehn Gebote ließen sich auch heute noch so fassen, wollte man nichts anderes als diese – und dieses nicht anders – regeln). Zur Wahrnehmung der eigenen Vorbildfunktion vgl. die vorige Antwort.

4. Aus Wirtschaftskreisen werden Forderungen laut, Englisch als zweite Amtssprache in Deutschland einzuführen. Wie steht Ihre Partei zu solchen Ideen?

Sie sind uns bislang nicht bekannt. Wir wissen freilich, daß Englisch weltweit die Funktion einer Lingua franca hat. Es wäre sicher auch vermessen, sich dem entgegenstellen zu wollen. Ziel muß vielmehr die Vermittlung ausreichender Kenntnisse dieser Weltsprache – und nach Möglichkeit einer weiteren Fremdsprache – sein. Zur Pflege des Kulturguts der deutschen Sprache sowie deren angemessener Berücksichtigung etwa und besonders in der Europäischen Union steht dies nicht in Widerspruch.

 

 
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