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Lufthansa grädet Passagiere daun

Glosse von Gerhard Sauer

Neulich habe ich auf einem Lufthansa-Flug folgende Durchsage gehört: „Die in Frankfurt daungegrädeten Passagiere werden gebeten, sich am Lufthansa-Schalter zu melden.“ Verstehen Sie das? Als ich mich nach der Bedeutung des Wortes daungegrädet erkundigte, wurde mir gesagt, damit sei die Umbuchung von Business-Class in Economy-Class gemeint. Ich machte mich gegenüber meinen Mitreisenden ein bißchen lustig über diesen verkrampften Sprachgebrauch, stieß dabei aber auf weitgehendes Unverständnis, selbst dann noch, als ich die Ansage doors are in park der Kru für den Flugkapitän in meine hämischen Bemerkungen einbezog. Ich fand es leicht bedenklich, wenn die Flugzeugtüren noch während des Fluges in den Park abgeworfen werden.

Die Bedenken hatte ich alleine. Von meinen Nachbarn war ich bald als der einzige Provinzler in dem Flugzeug identifiziert, der aus purer Dummheit nicht fähig ist, zu den urbanen Gepflogenheiten der Menschen von Welt aufzuschließen. Ich wurde scheel angeguckt und die Hand des einen oder anderen Mitreisenden zuckte schon zum Handy, um einen Krankenwagen der psychiatrischen Klinik für mich zu bestellen. Nun ist die Benutzung von Mobiltelephonen bei Flügen untersagt, und der für dringend notwendig gehaltene Anruf mußte unterbleiben. Sicher werden auf Anforderung der fliegenden Busineßmänner- und weiberlein Lufthansa-Flugzeuge bald Zwangsjacken mit sich führen, um im Notfall Sprachquerulanten während des Fluges ruhigstellen zu können.

Wie sehen entsprechende Ansagen bei anderen Fluglinien aus? In Flugzeugen der Air France wird, wie ich erst vor ein paar Tagen feststellen konnte, ganz selbstverständlich Französisch gesprochen, da gibt's kein downgräden, keine Kru und keine Türen im Park. Auch die Kommunikation zwischen Kabinenbesatzung und Flugpiloten wird auf französisch abgewickelt, offensichtlich ist Französisch im Gegensatz zu Deutsch auch für die Vermittlung sicherheitsrelevanter Tatbestände geeignet. Daß Deutsch dafür nicht taugt, wurde von der Lufthansa bekanntlich im Prozeß gegen den Wartungsingenieur, der englische Bezeichnungen in den Instandhaltungsplänen durch Erläuterungen auf Deutsch ersetzt hatte, behauptet.

Ich frage mich nur, wie es angesichts dieses Mankos der deutschen Sprache möglich war, eine vergleichsweise sichere Technik in Deutschland zu entwickeln. Bis vor etwa 20 Jahren war es keineswegs unüblich, für technische Produkte, ihre Funktionspläne und Bedienungsanweisungen Deutsch zu verwenden. Trotzdem haben sich keine größeren technischen Sicherheitsprobleme als in anderen Ländern ergeben. Haben sich die mit der Benutzung von Deutsch in der Technik verbundenen Sicherheitsrisiken erst in den letzten Jahren herausgebildet?

Interessant ist zudem, daß selbst die Deutsche BA, einen Tochtergesellschaft von British Airways, ein deutsch-englisches Kauderwelsch auf ihren Flügen vermeidet. In deren Flügen wird man weder von einem Tiehm noch von einer Kru betreut. Für das Wohlergehen der Passagiere ist die Kabinenbesatzung zuständig. Vermutlich können sich Engländer die Verachtung der Deutschen für ihre eigene Sprache nicht vorstellen und bestehen deshalb auf der reinen Verwendung von Deutsch auf Flügen innerhalb Deutschlands, bei denen die Passagiere mehrheitlich Deutsche sind. Ich interpretiere diese Haltung als einen Ausdruck von Achtung und Höflichkeit gegenüber den Kunden, eine Haltung, die für die Deutsche Lufthansa wohl antiquiert ist.

 

 
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