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Acht intellektuelle Gründe
gegen das Erlernen von Fremdsprachen

Von Thoralf K. Malepart

„Bring dein Gegenüber dazu, deine Sprache zu lernen. Es wird ihn Kraft und Zeit kosten, und doch wirst Du immer der bessere sein.“

Vorwort

Das Beherrschen von Fremdsprachen besitzt einen sehr hohen Verkehrswert. Neben einigen vorgeschobener Rationalisierungen gibt es einen wahren Grund dafür: Daß man von Unverstandenem beeindruckt ist (Was wiederum an mangelndem Selbstwertgefühl liegt). Das hohe Ansehen verursachen also die Nichtfremdsprachenkönner durch ihre Bewunderung. Denn wer etwas beherrscht, sieht für sich allein nichts besonderes darin. Was sollte Besonderes daran sein? Das einpauken-können von Vokabeln ist nichts Großartiges. Ebensowenig wie das nebenher-lernen im jeweiligen Muttersprachland.

Wer indes aus verschiedenen Gründen Fremdsprachen gelernt hat – meist wegen für wahr genommener Rationalisierungen – wendet sie auch an, aus zwei Gründen: zum einen, um eben jene Bewunderung zu erreichen. Zum andern, weil es Spaß macht, Gelerntes anzuwenden. Wofür man sich Mühe macht, das schätzt man.

Tatsächlich gibt es bei ehrlicher Betrachtung aber eine gute Zahl von Argumenten, die gegen das Lernen von Fremdsprachen sprechen.

PSYCHOLOGISCHES

1. Zum Denken: Denken und Sprechen bilden eine untrennbare Einheit. Um scharf denken zu können, muß man präzise sprechen können. Das erfordert die ganze Hinwendung zu seiner Muttersprache. Jeder sollte seine geistige (Ausdrucks-) Kraft zu schulen.

2. Zum Verstehen: Mißverständnisse sind schon bei der Unterhaltung in der Muttersprache allgegenwärtig, weil jeder Mensch seine ganz eigene innere Ordnung hat; jeder interpretiert Worte (mindestens etwas) anders. Die Verwendung einer fremden Sprache vervielfacht das Verständigungsproblem, außer eventuell in oberflächlichen Bereichen. Jeder ist gehalten, sich klar auszudrücken.

3. Zum Einfluß: Das Beherrschen von Fremdsprachen kann Ansichten über die eigene Sprache fördern – verstandsmäßig. Im Bereich der intuitiven Muttersprachanwendung wird es aber schädlich sein. Der Sprecher wird überflüssige Synonyme verwenden, grammatische Konstruktionen fehlerhaft übernehmen, und am Ende seine eigentümliche Denkweise verlieren. Jeder sollte seine Muttersprache pflegen und weiterentwickeln.

PHILOSOPHISCHES

4. Zum Nutzen: Fremdsprachenlernen braucht Zeit und Kraft. Man kann beides sinnvoller einsetzen. Zum Beispiel, um auf seinem Gebiet Fachmann zu werden. Notwendige Übersetzungen nimmt ein Übersetzer vor oder Technik. Jeder sollte seine eigenen Begabungen nutzen.

5. Zur Reife: „Sprache“ kommt von sprechen. Man muß eine Sprache sprechen, um sie zu beherrschen. Sprechen aber ist kein Selbstzweck, sondern dient dem Gedankenaustausch und dem Denken. Im Inland kann man es nicht zu ausgereifter Größe in einer Fremdsprache bringen. Dafür ins Ausland zu fahren, würde die Sprache zum Selbstzweck werden lassen. Jeder sollte indes auf seinem Gebiet arbeiten.

GESELLSCHAFTLICHES

6. Zum Fremdverständnis: Um fremde Kulturen zu verstehen, ist es besser, zuzuhören und hinzusehen, als selber zu sprechen. Der größte Teil einer Information wird über die Körpersprache und den Klang der Stimme vermittelt, mindestens bei zwischenmenschlichen Dingen. Zum freundschaftlichen Plaudern genügen also einige Worte der Landessprache. Wieviele Sprachen müßte man sonst lernen für die Welt? Eine Weltsprache indes begeistert keinen, verflacht aber Landeseigenes.

7. Zur Arbeitsteilung: Die Spezialisierung der Gesellschaft nimmt zu. Für jedes Fachgebiet gibt es eigene Fachleute. Auch für Fremdsprachen.

8. Zur Modernisierung: In wenigen Jahren wird die Technik soweit fortgeschritten sein, daß einfache Gedankeninhalte sofort in jede Sprache übersetzt werden können. Telefongespräche und direkte Unterhaltungen werden simultan übersetzt, Netzseiten in der Landessprache angezeigt, Dokumente per Rechner sofort in der gewünschten Sprache ausgedruckt.

Gegengründe und Ausnahmen

Sprachenlernen kann ein Steckenpferd sein.

Es kann ein nützlicher Zeitvertreib sein.

Es kann – im Ausland – sich von selbst ergeben.

 

 
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