![]() |
![]() |
|||
|
|
Man muß über Sprachbeobachtungsstellen nachdenken Abgeordneter zum Nationalrat der Republik Österreich Am 7.März 2001 begann das vom Europarat und der Europäischen Union ausgerufene "Jahr der Sprachen". Das ist auch für uns Österreicher Anlaß, uns mit einigen Fragen auseinanderzusetzen. Wie steht es mit der deutschen Sprache der Gegenwart? Befindet sie sich in gutem Zustand oder verfällt sie, wie viele Zeitgenossen meinen? Und welche Rolle spielen Anglizismen und Amerikanismen heutzutage für die Entwicklung unserer Muttersprache?
"Wir schlüpfen morgens easy in unseren Slip, unser T-shirt oder unseren Body, breakfasten bei Mc Donald´s, lunchen im nächsten Fast-food, holen unser Bier im Sixpack und zu unserer Verschönerung eine Moisture Cream im Body-Shop, gehen zum Hair Stylist, informieren uns am Service Point, fahren mit unseren Kids im Inter-City, sitzen am Computer, am Scanner oder am Laptop, betätigen uns als Online-Surfer, bezahlen für unsere Citycalls.... und die Jüngeren finden das meist cool und die Älteren meist nicht o.k.", spottete neulich ein Sprachwissenschafter.(2) Wie eine Umfrage im Jahr 1999 in der Bundesrepublik Deutschland ergab, standen die meisten Befragten der Menge der Anglizismen sehr ablehnend gegenüber. Selbst der deutsche Bundespräsident Johannes Rau, ein führender Politiker der SPD, merkte im November 2000 anläßlich eines Kongresses in Mainz kritisch an: "Der inflationäre Gebrauch von Amerikanismen in der Werbung und in den Medien, aber auch in den Veröffentlichungen vieler Unternehmen und Behörden, soll Fortschrittlichkeit und Modernität signalisieren. Tatsächlich aber ist er oft ein Hinweis auf die Verarmung der Ausdrucksfähigkeit in der eigenen Sprache. Tatsächlich grenzt er all diejenigen aus, die Englisch und Amerikanisch nicht verstehen, viele Ältere, viele Jugendliche, die nicht die entsprechende Schulbildung haben..."(3) Welche Gründe hat der zunehmende angloamerikanische Einfluß auf unsere Sprache, wenn ihn viele zwar ablehnen, Anglizismen und unsinnige Wortschöpfungen wie "Handy" aber durch Massenmedien und Werbung im gesamten Sprachgebiet verbreitet werden? Der ungarische Germanist Csaba Földes stellte dazu im vergangenen Jahr aufschlußreiche und durchaus treffende Überlegungen an.(4) Er fand es erstaunlich, wie viele Österreicher und Bundesdeutsche ihrer Sprache und Kultur eine geringe Wertschätzung entgegenbringen. Diese "Sprachilloyalität" eines großen Teils der Deutschsprachigen, wie Földes diese Erscheinung nennt, sei nicht erst jüngsten Datums. Denn die mangelnde Sprachloyalität deutschsprachiger Eliten ließe sich bereits seit dem 13. Jahrhundert immer wieder nachweisen. Diese Haltung schlage sich heutzutage einerseits in einer mitunter geradezu fatalen "Anglisierung" des Deutschen, andererseits in der Vermeidung des Deutschen in bestimmten Kommunikationssituationen nieder. Etwas überspitzt ausgedrückt: Heute nehmen die Überschätzung des Fremden, der Mangel an Selbstwertgefühl und die Mißachtung der eigenen Sprache mitunter groteske Formen an. Und man wird dem ungarischen Germanisten nicht widersprechen, wenn man bedenkt, wie nahezu "selbstverständlich" österreichische oder deutsche Politiker bei internationalen Tagungen bereit sind, sich mit Kollegen aus Ost- und Südeuropa in Englisch zu unterhalten, wie wohl diese häufig besser deutsch als englisch sprechen. Csaba Földes führt dazu wörtlich aus: Im Umfeld der Sprachenpolitik dürfte die Sprachloyalität ein wichtiges Stichwort sein. Sprachloyalität, und zwar verstanden einerseits (a) als Grundvoraussetzung einer richtig verstandenen Sprachkultur - womit natürlich nicht einem überzogenen Purismus und einer minuziösen Anglizismenjagd das Wort geredet werden soll - und andererseits (b) Verwendung des Deutschen durch Deutschsprachige ohne Komplexe auch auf dem internationalen Parkett. -Ad(a): Die Invasion einer unnötig anglisierten Redeweise - die sprachliche ´McDonaldisierung´ des Deutschen - sollte nicht unreflektiert hingenommen werden. Stichhaltige und operationalisierbare Konzepte und entsprechende Aktivitäten wären dringend vonnöten. Ad(b): Der oftmals beobachtbare Reflex, ´Weltoffenheit´ mit dem Verzicht auf die eigene Sprache und damit auf die eigene Kultur zu erkaufen, schadet der individuellen sprachlich-kulturellen Identität... Es erscheint mir also dringend erforderlich, dass Deutschsprachige - vor allem öffentliche Repräsentanten der deutschsprachigen Staaten wie Politiker, Wissenschaftler, Künstler, Sportler usw. - sich dezidierter zu ihrer Muttersprache bekennen. Eine Sensibilisierung für das Sprachliche, wozu auch die Achtung der eigenen Muttersprache und der Respekt für andere Sprachen gehört, wäre allgemein nötig.-- Denn ein gesundes kulturelles Selbstwertgefühl der Deutschsprachigen scheint mir nicht nur ein Schlüssel zu sein für ihre unverkrampfte Identität, sondern gleichermaßen auch für die Anbahnung einer gebührenden Rolle und eines angemessenen Prestiges der deutschen Sprache im Rahmen der interkulturellen Mehrsprachigkeit Europas. ...(5) Von den Bürgern unseres Landes wird genau unterschieden zwischen dem Vorteil, sich in mehreren Sprachen gut ausdrücken zu können und dem Ärgernis, durch die massenhafte Übernahme ausländischer Begriffe die eigene Sprache abzuwerten. Hier sind die Länder über die Kulturarbeit, aber auch die Bundesregierung in der Bildungspolitik, nachdrücklich gefordert. Vielleicht könnte wie das Vorbild Südtirols zeigt auch die Einrichtung von "Sprachbeobachtungsstellen" im Rahmen von Kulturinstituten einen Beitrag zu mehr Sprachbewußtsein leisten.(6) Es ist die Aufgabe der Politik zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, eine weitere Zurückdrängung und Verarmung der deutschen Sprache, wenn nötig auch gesetzgeberisch, zu verhindern. Hier hat der Staat eine korrigierende Funktion. In verschiedenen europäischen Staaten, Frankreich, Polen oder Lettland, um nur einige zu nennen, wurden in der Vergangenheit Sprachschutzgesetze erlassen. Sie sollen zur Wahrung der kulturellen Identität beitragen, aber auch dem Verbraucherschutz dienen. Für Sprachgesetze, die nur ein letztes Mittel sein sollten, fehlen zur Zeit im deutschen Sprachraum die Voraussetzungen. Es wird aber erst die Zukunft weisen, ob man wirklich ohne sie auskommen kann. (2) Hoberg, Rudolf: Sprechen wir bald alle Denglisch oder Germeng? In: Eichhoff-Cyrus, Hoberg (Hrsg): Die deutsche Sprache zur Jahrtausendwende. Mannheim, 2000. S. 311. (3) Siehe: "Bundespräsident Rau verurteilt Anglizismenschwemme". In: Sprach-Nachrichten, Nr. 4/2000, S.1. (4) Vgl. Földes, Csaba: Was ist die deutsche Sprache wert? In: Wirkendes Wort. Trier 50 (2000), S. 275-296. (6) info@Suedtiroler.Kulturinstitut.org ; www.Suedtiroler.kulturinstitut.org/sprache.htm Im Diskussionsforum können Sie Ihre Meinung zu diesem Beitrag äußern.
|
| © 2000-2010 Verein für Sprachpflege e. V. Alle Rechte vorbehalten! | ||||