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Der Euro
kommt – auf englisch

So rufen die European central banker
aus dem Eurotower der City of the Euro zu uns hinab

Von Prof. Hans-Manfred Niedetzky

Geht mit der Deutschen Mark auch die deutsche Sprache verloren? Diesen Eindruck können Bürger gewinnen, die im Weltnetz amtliche Aufklärung über unsere schöne neue Währungswelt suchen. Die meisten Bundesdeutschen wissen, daß für ihre gute alte Mark die Bundesbank verantwortlich ist. Was liegt näher, als im Netz nach der Europäischen Zentralbank (EZB) zu suchen? Indes: Ihre Netzanschrift besteht weder aus ihrem vollständigen Namen noch aus der Abkürzung www.ezb.de. Man muß schon wissen, daß es „European central bank“ heißt, und mit www.ecb.de wird endlich die Leitseite gefunden.

Wer die englische Sprache nicht beherrscht, ist mit seinem Latein aber auch bald wieder am Ende, denn die EZB läßt den Euro englisch sprechen. Lediglich geldpolitische Beschlüsse des EZB-Rats und beispielsweise Monats- oder Jahresberichte werden in allen elf Amtssprachen der Europäischen Union (EU) veröffentlicht. Wichtige Unterlagen über Aufbau und Verfahrensordnungen gibt es nur auf englisch. Da wird uns so schön verhießen: „Der EURO – unser Geld!“; aber nur eine Minderheit der Bewohner „Eurolands“ hat überhaupt die Möglichkeit, sich auf den Netzseiten der EZB lückenlos in ihrer Staatssprache zu unterrichten. Dieses einzigartige Vorrecht genießen nur die Iren, denn Großbritannien ist schließlich auf absehbare Zeit an der Währungsgemeinschaft nicht beteiligt. Auf der Leitseite der EZB wird immerhin auf die nationalen Notenbanken verwiesen, und einige davon bieten umfassende landessprachliche Informationen. Nahezu vorbildlich, wie könnte es aufgrund des französischen Sprachgesetzes auch anders sein, werden die Franzosen von der Banque du France unterrichtet. Auch die Banco de Portugal vermittelt auf portugiesisch viel Wissenswertes.

Und wie halten es Deutsche Bundesbank und Österreichische Nationalbank mit der muttersprachlichen Unterrichtung? Erstere bemüht sich, „zeitnah deutschsprachige Übersetzungen von EZB-Veröffentlichungen zur Verfügung zu stellen.“ Teilweise werden diese Übersetzungen von der Österreichischen Nationalbank übernommen. Da nicht allzu viele Veröffentlichungen auf deutsch vorliegen, bemerkt die Bundesbank: „Alle Informationen, für die keine Übersetzungen vorliegen, sind durch Links [Verweise] auf die englischsprachigen Informationen der EZB-Website [Weltnetz-Seite] zugänglich.“

Die Werbe-Millionen fehlen
bei der Aufklärung der Bürger in ihrer Muttersprache.

Geradezu entlarvend für die Sprachregelung der EZB ist folgender Hinweis der Deutschen Bundesbank: „Nur gedruckte Veröffentlichungen der Europäischen Zentralbank in der englischen Originalfassung haben offiziellen Charakter.“ Unter solchen Bedingungen ist es kaum verwunderlich, daß die Bundesbank die muttersprachliche Aufklärung über die EZB geringschätzt. So hält sie es nicht einmal für nötig, die in Englisch gehaltenen Reden von Otmar Issing, dem deutschen Mitglied im Direktorium der EZB, in deutscher Sprache bereitzustellen. Man möchte fragen: Für wen wurde der Euro geschaffen, für die englischsprachige Finanzwelt oder für die Bürger Europas? Will man etwa Zustimmung zur neuen Währung erreichen, wenn die wesentlichen Unterlagen nicht in den Sprachen der Staaten vorliegen, die an dem Währungsverbund teilnehmen?

Wie sollen denn die Beschäftigten im „Euro-Tower“, dem Sitz der EZB, von den Sorgen und Meinungen der Bürger etwas erfahren, wenn in den Stellenausschreibungen hervorragendes Englisch, aber nur ausreichende Sprachkenntnisse in einer anderen EU-Sprache verlangt werden? So verwundert nicht, daß nach einer Studie der „Deutschen Bank 24“ 46 Prozent der Deutschen gegen den Euro „negativ“ oder „sehr negativ“ eingestellt sind. Statt über die Hintergründe dieser Haltung nachzudenken, wird erneut ein Werbefeldzug begonnen. Selbst die Wirtschaftswoche berichtete über die mißlungene, neun Millionen Euros teure Anzeigenserie mit düsteren Bildern von Prominenten, die nur Plattheiten über die neue Währung verbreiten konnten. Vor kurzem begann die EZB eine Werbeschlacht, die 80 Millionen Euros kosten soll. Da wirkt es wie blanker Hohn, daß die Pressestelle der EZB vom Gebot der Sparsamkeit predigt, wenn sich deutsche Muttersprachler darüber beschweren, daß Pressemitteilungen und andere Veröffentlichungen grundsätzlich in englischer und nur ausnahmsweise in deutscher Sprache zu erhalten sind.

www.ecb.de
www.oenb.co.at/ezb/mirror/ezb_p.htm
www.bundesbank.de/ezb/index.htm

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