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Grüß Gott in Blahbylon

von Ulrike Löw

(erschienen in den Nürnberger Nachrichten am 8. Januar 2002)

Die D-Mark ist fast schon verschwunden, über die alte Fußballherrlichkeit schweigen wir lieber, und als sei das alles nicht genug, überspülen alberne Anglizismen ständig unsere Muttersprache. Es „beamt“ und „switcht“ und alle sind bestrebt, das Beste noch zu „toppen“. Was lange Zeit als normal galt, wird „gehypt“, bis es „hip“ ist und irgendwann auch noch „kickt“.

Selbst fade Provinzpartys werden mit Promis und gestylten Typen zum „Event“. Welcome in Blahbylon. Es reicht, beschwert sich auch NN-Leser Michael Stiegler, der mit entsetzten Augen die neuen Leuchtreklameschilder am „Hilton“ (vormals „Holiday Inn“ und vorvormals „Scandic Crown Hotel“) entdeckt hat: „Nuremberg!!!“, schreibt er uns mit drei Ausrufezeichen, haben diese Franken da draufgeschrieben. Als ob jemand Nuremberg auf der Landkarte suchen würde. Recht hat er.

Denglisch nervt, meint auch der Franke Thomas Paulwitz von der „Deutschen Sprachwelt“ und räumt im Internet mit „Engleutsch“ auf. Wie sage ich's auf deutsch? fragt er und bietet sogar ein Volks-Wörterbuch zum Thema. Weil Sprache lebendig ist und sich entwickelt, sei an dieser Stelle auch mal wieder die dringende Bitte des Autors genannt. Zögern Sie nicht, verhasste Engleutsch-Begriffe und ihre deutschen Bedeutungen „via E-Mail“ (www.deutsche-sprachwelt.de) an ihn weiterzugeben.

Aber halt. Solch ungebrochene Begeisterung gegen die ständige Ami-Präsenz ist nicht immer okay. Ein bissl Ami-Alltag wäre nämlich gar nicht schlecht. Zum Beispiel beim Grüß-Gott-Sagen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist ein weltoffenes „Hello“ nämlich zu jeder Tageszeit höflich. „Hello“ kann „Guten Morgen“ ersetzen und kaschiert mittags um elf elegant den Schlaf in den Augen. Oder trauen Sie sich etwa, beim Semmelholen mit einem „Guten Morgen“ auf den Lippen aufzutauchen, wenn sich Kunden und Bäckerin schon mit „Mahlzeit“ begrüßen?

„Grüß Gott“ ist übrigens unmöglich, weil die Verkäuferin ein aus Hamburg stammendes Nordlicht sein könnte, das jeden Grüß-Gott-Begrüßer mitleidig mustert. Zu „Guten Tag“ will man sich als Franke nicht unnötig demütigen, und ein saloppes „Hallo“ könnte, falls er zufällig im Laden steht, Herrn Thomas Paulwitz ärgern.

Auf dem Weg zum Bäcker knurrt der Magen – vielleicht doch „Mahlzeit“? – und der Kopf brummt vor „Guten Morgen“ und „Hallo“ und das Blahbylon spricht: „Mollo!“ Die Verkäuferin wundert sich. (Echt passiert!) Doch gibt es manchmal Glück im Unglück: Wenigstens ist Thomas Paulwitz nicht da.

Engleutsch? Nein danke! Wie sag ich's auf deutsch?“ Ein Volks-Wörterbuch von Thomas Paulwitz und Stefan Micko, 132 Seiten für 7,50 Euro.

 

 
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