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Nachrichten 2003

Schlagzeilen

Das Handelsblatt schaut auf die Sprache von Wirtschaftsführern und Politikern (30. 11. 2003)

Frauschaft nun auch mit Schirm – Blüte eines sprachlichen Gleichberechtigungsversuches (10. 11. 2003)

Auf englisch lehrt die zweite deutsche Auslandsuniversität (06. 10. 2003)

Amerikanisierung der Betriebswirte (01. 10. 2003)

„Mehr Zeit für Kinder“ (23. 09. 2003)

Andreas Schlüter neuer Goethe-Generalsekretär (22. 09. 2003)

Das Handelsblatt schaut auf die Sprache von Wirtschaftsführern und Politikern

(30. 11. 2003) „Spinnens Sprachstunde“ heißt die neue Kolumne, die das Handelsblatt, Deutschlands führende Wirtschafts- und Finanzzeitung, ab Montag, dem 1. Dezember, künftig jede Woche auf der Profilseite veröffentlicht. In einer Sprachkritik analysiert der Schriftsteller und Sprachwissenschaftler Burkhard Spinnen die Worte und Redewendungen von Wirtschaftsführern und Politikern. „Wo rechte Winkel herrschen, muß noch lange kein mathematischer Geist herrschen.“ Das erkannte Spinnen staunend, als er sich erstmals in seinem Leben mit der Welt der Wirtschaft auseinandersetzte. Das Ergebnis war „Der schwarze Grat“ – ein Roman, der Anfang des Jahres erschien und die Lebensgeschichte des schwäbischen Unternehmers Walter Lindenmaier beschreibt. In „Spinnens Sprachstunde“ erhält er sich diesen fremden Blick und erforscht die Sprache der Geschäftsleute und Politiker aus der Sicht des Außenseiters. Der 47jährige Spinnen ist promovierter Literaturwissenschaftler und lebt und arbeitet als freier Schriftsteller in Münster. Für seine Romane, Essays und Kurzgeschichten („Langer Samstag“, „Kalte Ente“) wurde er unter anderem mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis, dem aspekte-Literaturpreis des ZDF und dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgezeichnet. (ots)

Frauschaft nun auch mit Schirm – Blüte eines sprachlichen Gleichberechtigungsversuches

(10. 11. 2003) Der Drang zur sprachlichen Gleichberechtigung der Frauen treibt schon seltsame Blüten. Auf einem Plakat zum Internationalen Tag „NEIN zu Gewalt an Frauen“ am 25. November wurde Beate Ullwer als Schirmfrau angekündigt. Sie hat also die Schirmfrauschaft übernommen. Oder Schirmfrauenschaft? Vielleicht ja auch Schirmdame(n)schaft, es heißt ja auch nicht Schirmmann, sondern Schirmherr, und die Herrschaft wurde ja nicht zur Mannschaft erklärt. Bei der Suche nach den Gründen für diese sprachliche Neuschöpfung kommt mir in den Sinn, daß – wohl nach Ansicht des Sprachschöpfers – die Ankündigung als Schirmherrin eventuell mit der Sanftmut Frau Ullwers kollidieren könnte, Herrschaft klingt ja so gewalttätig, Frauschaft dagegen viel milder. Es soll wohl nicht der Eindruck einer Schirmherrschaft geweckt werden, eher der einer Schirmfrauschaft. Eine sanftmütige Frau als Schirmherrin? Nein, das paßt wohl nicht ins Bild der Plakatschreiber. Frau Ullwer soll nicht als Herrscherin erscheinen, vielmehr als Frauscherin. Es ist an der Zeit, der Gewaltfrauschaft Einhalt zu gebieten! Eine Zwangsfrauschaft darf es nicht geben! Stephanus Peil

Auf englisch lehrt die zweite deutsche Auslandsuniversität

Neben der University of Ulm, der University of Stuttgart, der German Embassy in Cairo, dem Ministry of Science, Research and Arts, State of Baden Württemberg, und der German Arab Chamber of Industry and Commerce unterstützt auch das Federal Ministry of Education and Research die „deutsche“ Hochschule in Kairo. Das Bildungsministerium muß sich noch etwas im Englischen üben, wie das anglisierte Erkennungszeichen offenbart.
(06. 10. 2003) In Kairo ist die zweite deutsche Auslandsuniversität eröffnet worden. Die Vorlesungen und Seminare finden in der German University in Cairo (GUC) allerdings überwiegend auf englisch statt. Deutsch ist jedoch Pflichtfach, deutsche Dozenten lehren, die deutschen Universitäten Ulm und Stuttgart haben eine Partnerschaft übernommen. An der feierlichen Einweihung nahmen gestern Bundeskanzler Gerhard Schröder und der ägyptische Präsident Husni Mubarak teil. Die neue Universität soll zunächst rund 750 Studenten die Möglichkeit geben, Medientechnologie, Informationstechnologie, Materialwissenschaften, Biotechnologie/Pharmazie und Management zu studieren. In den nächsten Jahren soll die Studentenzahl auf 5.000 erhöht werden. Das Studium kostet 8.700 Euro im Jahr. Die Studenten können sowohl einen Bachelor/Master of Science-Abschluss (BA/MA) als auch ein deutsches Diplom erwerben. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von einheimischen Professoren. „Die GUC ist die erste ausländische Hochschule weltweit, die sich an deutschen Standards und Lehrinhalten orientiert“, sagte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) in Kairo. Damit liegt sie falsch:

Im November 2002 ist nämlich im ungarischen Budapest auf Anregung des früheren ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban die wirklich erste deutsche Auslandsuniversität eröffnet worden. Im Gegensatz zur Kairoer Universität finden Forschung und Lehre dort auf deutsch statt. Gelehrt werden mit Magisterabschluß Jura, Mitteleuropastudien, internationale Beziehungen, sowie Volks- und Betriebswirtschaft. Die Andrássy-Universität will zum Beitrittsprozeß des mitteleuropäischen Raumes zur Europäischen Union mit der Ausbildung von Führungskräften für den auswärtigen Dienst beitragen. Das Studium kostet 500 Euro im Semester. Geldlich unterstützt wird die „Deutschsprachige Universität Budapest“, wie sie sich auch nennt, von den Ländern Bayern und Baden-Württemberg, sowie von der deutschen Bundesregierung. Für ein Studium an der Andrássy-Universität muß man nicht Ungarisch beherrschen. Jedes Jahr werden ungefähr 75 neue Studenten aufgenommen.

Wie zu vernehmen ist, plant Jordanien eine „Deutsch-Jordanische Universität“. Ob dort Deutsch oder Englisch die vorrangige Wissenschaftssprache sein wird, ist noch nicht bekannt. (dsw)

Amerikanisierung der Betriebswirte

(01. 10. 2003) Der Betriebswirt wird seit einiger Zeit fast ausschließlich als Master of Business Administration (MBA) bezeichnet. Mit der Amerikanisierung der Berufsbezeichnung geht auch eine Amerikanisierung des Studienganges einher. Die FIBAA (Foundation for International Business Administration Accreditation) hat eine Übersicht über 141 MBA-Programme von in- und ausländischen Anbietern in Deutschland erstellt. Insgesamt werden in den aufgeführten 141 Programmen rund 4.000 Studienplätze angeboten. 51 Programme werden zu 100 Prozent in Englisch angeboten. 49 Angebote seien entweder rein deutschsprachig oder der Fremdsprachenanteil liege unter 25 Prozent. (idw)

„Mehr Zeit für Kinder“

Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat es als einer der ersten gesehen: das Plakatmotiv „Mehr Zeit für Kinder“, eines von drei Motiven der deutschlandweiten Kampagne.

Bild: obs/Mehr Zeit für Kinder e.V.

(23. 09. 2003) „Mehr Zeit für Kinder“ heißt eine neue bundesweite Plakatkampagne des gleichnamigen Frankfurter Vereins. Auf 10.000 Großflächen sind verschiedene Familienszenen abgebildet. Vor diesem Hintergrund startet der eingetragene Verein Mehr Zeit für Kinder nun eine deutschlandweite Mitmach-Aktion für Familien. Berufstätige Eltern stehen vor dem Problem, wie sie Familie und Beruf zeitlich miteinander in Einklang bringen sollen. Der Verein fragt: Wie schaffen sie das? Welche Ratschläge haben vor allem Väter für andere Eltern? Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, sollte eines der insgesamt 10.000 Plakate gesehen haben und seine Einsendung an Mehr Zeit für Kinder schicken, Stichwort: „Plakat“, Fellnerstraße 12, D-60322 Frankfurt, info@mzfk.de, und auch den Standort des gesichteten Plakats nennen. Einsendeschluß ist der 10. Oktober 2003. Unter allen Zusendungen verlost der Verein zehn Spiel-&-Spaß-Pakete für Familien. (ots) Mehr Zeit für Kinder fordern wir auch in Punkt 7 unserer sprachpolitischen Forderungen.

Andreas Schlüter neuer Goethe-Generalsekretär

(22. 09. 2003) Jutta Limbach, die Präsidentin des Goethe-Instituts, teilt mit, daß das Präsidium des Goethe-Instituts Dr. Andreas Schlüter einstimmig zum neuen Generalsekretär bestellt hat. Der Bundesaußenminister hat diese Entscheidung bereits bestätigt. Schlüter war bis Oktober 2000 Geschäftsführer der Bertelsmann-Stiftung, zuvor Personalleiter der Bertelsmann-Industriegruppe und zuletzt unter anderem mit einer Habilitation zum Thema „Stiftungsrecht im internationalen Vergleich“ beschäftigt.

„Wir schätzen uns glücklich, mit Herrn Dr. Schlüter eine Persönlichkeit gefunden zu haben, die aufgrund ihrer umfassenden Qualifikationen und ihrer Vertrautheit mit den modernen Technologien die Innovationskraft des Goethe-Instituts verstärken wird. Wir sind uns gewiss, dass er unsere mehr als 3.000 Mitarbeiter weltweit motivieren kann, neue Konzepte tatkräftig umzusetzen,“ sagte Jutta Limbach.

Das Goethe-Institut ist das international tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und die internationale kulturelle Zusammenarbeit, und vermittelt ein umfassendes und aktuelles Deutschlandbild. Das Goethe-Institut unterhält derzeit 141 Institute in 76 Ländern. (goe)

 
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