Runglisch: Die neue Sprache der Raumfahrt
30. 10. 2000
Rätselraten um WDR-Serie Die Story: Soll die Geschichte sterben?
12. 10. 2000
Geißler: Wir sollten zur Political correctness zurückkehren
11. 10. 2000
Académie Française schlägt wieder französische Wörter vor
10. 10. 2000
Autoraser bittet mit Dichtkunst um Gnade Die Polizei dichtet zurück
09. 10. 2000
Acht Sprachvereine warnen: Englisch bedroht kulturelle Vielfalt
08. 10. 2000
Weiterhin Mitarbeiter für Word-Verdeutschungs-Makro gesucht
08. 10. 2000
WIENER JOURNAL wurde zwanzig
08. 10. 2000
KMK will Überprüfung der Schreibreform auf 2001 vorziehen
06. 10. 2000
Münchner Appell zur Einheit der Rechtschreibung
03. 10. 2000
VDS freut sich über einen Fehlschlag
02. 10. 2000
@ Runglisch: Die neue Sprache der Raumfahrt
30. 10. 2000 (pau) Die derzeitige Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS) setzt sich aus russischen Kosmonauten und amerikanischen Astronauten zusammen. Die Verständigung zwischen den Raumfahrern ist nicht schwierig. Wir haben sogar eine gemeinsame Sprache gefunden, wir sprechen Runglisch meinte der rusische Bordingenieur Krikaljow. Immer wenn ein Wort in einer Sprache fehle, benutze man einfach die verfügbaren Worte der anderen Sprache; denn alle Besatzungsmitglieder können sowohl fließend Englisch als auch fließend Russisch. Die Ernährung an Bord sei ein vergleichbares Gemisch aus amerikanischer und russischer Küche. Der Kommandant der ISS, an der Europa nur mit 5 Prozent beteiligt ist, ist ein Amerikaner.
@ Mutig sein: Das Rezept der Grünen Antje Vollmer gegen Engleutsch
27. 10. 2000 (pau) Vor kurzem verriet Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer (Bündnis 90/ Die Grünen) ihr Rezept, wie sie sich gegen Engleutsch wappnet. Vollmer meinte, daß das Engleutsch der jungen Eliten in Wirtschaft, Wissenschaft und Popkultur einen Anpassungsdruck bewirke: Wer dazugehören wolle, müsse engleutsch sprechen; wer das nicht könne, erfahre dies als soziale Kränkung. Um dagegen anzukommen, habe Vollmer sich eine Widerstandsmethode gegen Engleutsch ausgedacht: Ich frage bei ausländischen Begriffen notorisch nach, was sie denn bedeuten. Vielleicht hilft das ein kleines Stück weiter, wenn Leute das merken und sich sagen: ,Wenn die sich das traut
@ Aufruf zur Abschaffung der Kultusministerkonferenz
26. 10. 2000 (pau) In einem Rundschreiben an alle Bundestagsabgeordneten hat der Verleger Matthias Dräger die Abschaffung der Kultusministerkonferenz gefordert. Selbst Altbundeskanzler Helmut Schmidt habe nach einem Bericht der Berliner Morgenpost vor einigen Tagen dazu geraten, die Kultusministerkonferenz abzuschaffen. Nach Schmidts Ansicht ist auch in der Bundesrepublik der Föderalismus ausgehöhlt wie seit 1949 nicht. Neben der Finanzpolitik sei „der ballonartig aufgeblähte Apparat der Kultusministerkonferenz dabei ein Hauptschuldiger. Die Konferenz gehöre abgeschafft, inklusive der überflüssigen Rechtschreibreform“ verlangte Helmut Schmidt. Altbundeskanzler Helmut Kohl stellte bereits 1997 fest: „Die reaktionärste Einrichtung der Bundesrepublik ist die Kultusministerkonferenz. Im Vergleich dazu ist der Vatikan noch weltoffen.“ Die in der Verfassung nicht vorgesehene Kultusministerkonferenz sei verantwortlich für das größte bildungspolitische Desaster der Nachkriegszeit, so Dräger, der an die Abgeordneten appellierte: „Es ist jetzt an der Zeit, daß Sie in Ihren Ausschüssen einmal darüber nachdenken, wie man den Rat von Helmut Schmidt Abschaffung der Kultusministerkonferenz in die Tat umsetzen kann. Die Initiative zu einem solchen Schritt kann wohl nur vom Deutschen Bundestag ausgehen; es ist kaum anzunehmen, daß die Kultusministerkonferenz selbst zu der nötigen Einsicht gelangt. Es ist höchste Zeit, den Föderalismus der Länder wieder zur richtigen Geltung kommen zu lassen. Die Länder sind sehr wohl in der Lage, ihre Bildungspolitik selber in die Hand zu nehmen. Sie brauchen sich hierbei nicht durch einen Wasserkopf behindern zu lassen, der in jüngster Zeit durch seine Unbeweglichkeit und Sturheit nur Unheil und Unfrieden gestiftet hat.“
@ SPD-Politiker gegen Lufthansa-Engleutsch
25. 10. 2000 (pau) Selten betätigt sich ein Politiker als Sprachwahrer. Manchmal aber doch. Der Pfälzer SPD-Europa-Abgeordnete Willi Rothley schrieb an das Brüsseler Büro der Lufthansa German Airlines: Dear Sir, Sie haben mich in diesen Tagen als treuen Kunden der Lufthansa zu einem Jazz-Festival eingeladen auf englisch, die von Ihrem Unternehmen bevorzugte Sprache. Können Sie sich vorstellen, daß ein französisches Unternehmen einem französischen Abgeordneten auf englisch schreibt? Nein, das schaffen nur die Deutschen, die meinen, sie seien weltläufig, wo sie doch in Wahrheit nur globale Banausen (engl. ignoramus oder philistine) sind. Sie können ja in Ihrem Laden machen, was sie wollen. Sie werden uns aber nicht eine andere Sprache aufzwingen. Zu Ihrem Festival komme ich nicht. Ich verbitte mir weitere Post von Ihnen. Bitte kommen Sie nicht auf die Idee, um einen Termin nachzusuchen. Yours Sincerely, Willi Rothley.
@ Deutsch in Ostmitteleuropa auf dem Vormarsch Russisch verschwindet
23. 10. 2000 (pau) Die deutsche Sprache ist in Ostmitteleuropa auf dem Vormarsch. Bei einer Umfrage des österreichischen Meinungsforschungsinstituts IMAS gaben 38 Prozent der Tschechen, 35 Prozent der Slowaken und 21 Prozent der Ungarn an, sie wollten Deutsch sprechen oder zumindest verstehen. Als wesentliche Beweggründe nannten sie den wachsenden Fremdenverkehr aus Deutschland, die wirtschaftliche Verflechtung mit dem deutschsprachigen Raum und die veränderten Verdienstmöglichkeiten. Im Anzeigenteil Prager, Budapester und Preßburger Zeitungen häufen sich Stellenangebote mit dem Zusatz Deutschkenntnisse Voraussetzung. Während die deutsche Sprache immer mehr Freunde gewinnt, schwindet der Einfluß des Russischen. 1988 lernten in Ungarn fast eine halbe Million Schüler Russisch, allerdings mit mäßigem Erfolg. Zehn Jahre später lag die Zahl der nunmehr freiwilligen Russischschüler bei nur noch 9.000 und in diesem Jahr liegt sie bei 3.800. Damit lernen nur noch 1,4 Prozent der ungarischen Schüler Russisch. 96 Prozent der Erwachsenen in Ungarn, 87 Prozent in Polen und 60 Prozent in der Tschechei meinen, sie könnten kein Gespräch mehr auf russisch führen. Von hundert bulgarischen Kindern wollen 47 Englisch lernen, 21 Deutsch, je zehn Französisch, Spanisch oder Italienisch und höchstens zwei Russisch, wie das Sofioter Nationale Zentrum zur Erforschung der öffentlichen Meinung herausfand.
@ Mythos USA: Richtigerweise von Amerikanismen sprechen
22. 10. 2000 (pau) Viele Menschen verbinden mit englischen Wörtern die Vorstellung von Modernität und Fortschritt. Das stellte Volker Ilgen fest, Autor von Veröffentlichungen zur Bewußtseinsgeschichte. Der Mythos USA spiele als vermeintlich ewig junges Land in Deutschland eine besondere Rolle. Im Grunde sollte man nach Ilgens Ansicht eigentlich nicht von Anglizismen, sondern von Amerikanismen sprechen. Die übernommenen englischen Wörter und die Art ihrer Anwendung komme aus den USA, nicht aus Großbritannien. Bereits in den 20er Jahren habe man im übrigen Amerikanismen in der Straßenreklame gefunden.
@ Zuviel Engleutsch schadet der Werbung
21. 10. 2000 (pau) Die Werbeindustrie könne kein Interesse an einer Überschwemmung des Wortschatzes mit Anglizismen haben. Darauf hat die Regensburger Sprachwissenschaftlerin Nina Janich hingewiesen. Wenn die Deutschen bereits das von Sprachpuristen befürchtete 'Denglisch' sprächen, entfiele es für die Werbung als Strategie, sagte Janich. So besteht wenigstens die Aussicht, daß die Werbung die Originalität der deutschen Sprache wiederentdeckt, sobald alle Deutschen Engleutsch sprechen. Ob man so lange warten kann, steht auf einem anderen Blatt.
@ Bedroht Buchstabenvermehrung die Statik der Buchmesse-Hallen?
18. 10. 2000 (pau) Die 52. Frankfurter Buchmesse wurde eröffnet. Auf 6.887 stieg die Zahl der Aussteller, die Zahl der Neuerscheinungen auf 91.407. Insgesamt werden 377.000 Titel ausgestellt. Die tageszeitung glossierte den Beginn der Buchmesse: Wenige Tage vor der Eröffnung der 52. Frankfurter Buchmesse wurde bekannt, dass die auf der diesjährigen Buchmesse erwartete Gesamtbuchstabenmenge völlig neu kalkuliert und demnach die Statik einiger, insbesondere älterer Messehallen kurzfristig noch einmal überprüft werden muss. Der Grund: die von den deutschen Verlagen immer häufiger angewandte Rechtschreibreform. Sie verursacht ein Mehr an Buchstaben, das beileibe nicht, wie man zunächst gehofft hatte, durch die Reform der Kommaregeln kompensiert wird. Die wenigen eingesparten Kommata reichen kaum aus, um das diesjährige Buchstabengesamtgewicht der Messe unter die zulässige Höchsttonnage zu drücken. Das Buchstabengewicht hat sich durch die teilweise Abschaffung des 'ß' zugunsten von 'Doppel-s' deutlicher erhöht als zunächst vermutet. Den oberen Etagen einiger Messehallen droht deshalb jetzt sogar die Schließung, Um die Deckenkonstruktionen nicht unnötig zu belasten, wird die Präsentation von Büchern mit mehr als 300 Seiten untersagt.
@ Haushaltssperre für das Goethe-Institut!
17. 10. 2000 (pau) Der Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages hat für das Goethe-Institut eine Haushaltssperre in Höhe von 45 Millionen Mark beschlossen. Die Sperre gilt für das Jahr 2001. Der Grund für diese Entscheidung ist ein Gutachten des Bundesrechnungshofs (die DEUTSCHE SPRACHWELT berichtete am 11. September). Der Rechnungshof hatte dem Goethe-Institut vorgeworfen, daß es zu wenig einspare. Goethe-Generalsekretär Joachim Sartorius reagierte auf den Beschluß des Berliner Parlamentes „ohne übertriebene Sorge“. Befremdet zeigte er sich jedoch darüber, daß der Haushaltsausschuß seine Sperre damit begründe, daß das Goethe-Institut die Empfehlungen des Bundesrechnungshofs bisher nicht umgesetzt habe: „Wir haben den Bericht erst Ende Juli erhalten, und unsere erste Stellungnahme datiert vom 3. August. Wie man in den wenigen Wochen seitdem einen ganzen Katalog von Empfehlungen prüfen, mit den Zuwendungsgebern abstimmen und umsetzen soll, mögen uns die Haushälter bitte verraten.“
@ Auch der Suhrkamp-Verlag hält an hergebrachter Rechtschreibung fest
16. 10. 2000 (pau) Der Suhrkamp-Verlag hat jetzt entschieden, für seine Veröffentlichungen bei der hergebrachten Rechtschreibung zu bleiben. Das berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Der Verleger des Suhrkamp-Verlages, Siegfried Unseld, erklärte zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, daß die sogenannte Reform „grundsätzlich überflüssig, in sich widersprüchlich und in ihren Auswirkungen verwirrend, ja schädigend“ sei. Den Literaturverlagen sei jeder Verbündete bei der Wiederherstellung der Einheitlichkeit der Schriftsprache willkommen, so Unseld.
@ Wieder ein Wort verboten: Jüdische Mitbürger dürfen nur noch Bürger sein
16. 10. 2000 (pau) ... Jedenfalls, wenn es nach dem innenpolitischen Sprecher der Bündnisgrünen, Cem Özdemir, ginge. Er verwirft den Ausdruck „jüdische Mitbürger“, der seiner Ansicht nach ausgrenzend sei. Stattdessen solle nur noch von „jüdischen Bürgern“ die Rede sein. Damit erlag Özdemir einem gedanklichen Irrtum; denn die Vorsilbe „Mit-“ drückt ein Miteinander aus, während das Weglassen dieses Zusatzes den Abstand hervorhebt. Beispiel: Arbeiter und Mitarbeiter. Die Frankfurter Allgemeine (F.A.Z.) meinte zu Özdemirs Wortverbot: „Es wäre schlimm, wenn sich die Leute nicht mehr trauen würden, von ihren 'jüdischen Mitbürgern' zu sprechen, weil sie Angst vor extremistischen Drohungen hätten. Fast so schlimm wäre es aber, sie würden ihre Mitbürger Bürger sein lassen aus Angst vor einer 'politisch korrekten' Zensur.“
@ Untersuchung: Rastloses Querlesen nimmt zu
15. 10. 2000 (pau) Bücherwürmer verschlingen Literatur immer rastloser, das Lesen wird immer mehr zu einem Blättern. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung von Germanisten der Hochschule Münster. Demnach wird die Beschäftigung mit Büchern immer mehr zu einem Blätterwerk. Das Lesen von der ersten bis zur letzten Seite nimmt immer weiter ab, das Querlesen nehme dagegen zu. Die Germanisten bewerten dies aufgrund neuer philosophischer und texttheoretischer Ansätze eher positiv.
@ Ickler kritisiert Duden-Engleutsch: Filser-Englisch gehört auf die Humorseite
14. 10. 2000 (pau) Was zum Teufel ist ein Newsletter? Ich bin wahrhaftig kein Purist, aber ich weiß ganz sicher, daß Konrad Duden Ihnen den Newsletter um die Ohren schlagen würde, wenn er einen bekäme.“ Diese klaren Worte richtete der Erlanger Germanistik-Professor Theodor Ickler, Autor des neuen Rechtschreibwörterbuches, an die Dudenredaktion. In Ihrem Oktober-Newsletter hatte die Duden-Sprachberatung geschrieben: „Ob im Beruf, in der Werbung, in der Wirtschaft oder im Umgang mit neuen Medien, überall werden wir heute mit Fremdwörtern, vor allem mit Fremdwörtern aus dem Englischen, konfrontiert.“ Die Duden-Sprachberatung versuchte in ihrem Nachrichtenbrief, die Frage zu beantworten, „wie man solche Anglizismen oder Amerikanismen denn richtig schreibe“: „Zunächst einmal können Sie aufatmen: Die Schreibung von häufig gebrauchten Fremdwörtern, ob sie nun aus dem Englischen oder aus einer anderen Sprache stammen, ist im Zuge der Rechtschreibreform weitgehend an die allgemeinen Regeln angeglichen worden.“ Ickler meint dazu: „So ist es denn auch völlig gleichgültig, wie man Beautyfarm schreibt, denn wer so etwas niederzuschreiben wagt, hat sowieso nicht alle Tassen im Schrank. Filser-Englisch gehört auf die Humorseite. Duden hat, wie Sie wissen, stets davor gewarnt, Fremdwörter zu gebrauchen, die man nicht schreiben kann. Ich weiß schon, was Sie mir entgegenhalten könnten: In meinem Rechtschreibwörterbuch steht ja auch Beautyfarm... Leider. Aber ich bringe es bestimmt nicht ohne eine kritische Ermahnung per Newsletter unters Volk. Auch heute noch verpflichtet sich der Dudenverlag in vielen Vorreden usw., der Sprachkultur zu dienen und das Ansehen der deutschen Sprache zu heben, nicht aber, sie lächerlich zu machen.
@ Rechtschreibreformkritiker appellieren an Zeitungsverleger
13. 10. 2000 (pau) Der Verein für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege e.V. (VRS) und die Initiative „Wir Lehrer gegen die Rechtschreibreform" haben die Zeitungsverleger zur Wiederherstellung der einheitlichen Rechtschreibung aufgefordert. Der „Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger" tagt am 16. und 17. Oktober 2000 in Mainz. „Folgen Sie dem Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) und kehren Sie zur herkömmlichen einheitlichen Rechtschreibung zurück!" heißt es in einer Pressemitteilung. Die Kultusminister hätten die Reform mit dem „Propagandamärchen" durchgesetzt, die Zahl der Rechtschreibfehler gehe um 50 Prozent zurück. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten aber, daß die Fehlerzahl steige. Die F.A.Z. stehe außerdem keineswegs alleine da; denn viele Medien blieben bei der herkömmlichen Rechtschreibung, wie die Liste reformfreier Zeitungen und Zeitschriften im Weltnetz zeige. Auch die Initiative für eine vernünftige Rechtschreibung unter der Leitung des Verlegers Matthias Dräger appellierte an die Zeitungsverleger, „die Mainzer Chance zur Abschaffung der Rechtschreibreform zu nutzen". Die Initiative erinnerte die Verleger daran, ihrer Aufgabe als „Vierter Gewalt im Staate" gerecht zu werden und als „Korrektiv" zu wirken. Werde diese Aufgabe nicht mehr sorgfältig genug wahrgenommen, komme es bald zum Verfall demokratischer Strukturen.
@ Erfolgreicher DSW-Aufruf: 18 Freiwillige arbeiten jetzt am Verdeutschungsmakro
12. 10. 2000 (gpd) Nach dem Aufruf der DEUTSCHEN SPRACHWELT vom 8. Oktober, das Anti-Anglizismen-Makro zu unterstützen, helfen mittlerweile 18 Freiwillige an der Entstehung des Verdeutschungsprogramms mit. Über 1.200 Ersetzungen sind bereits formuliert. Durch die rege Beteiligung bearbeiten nun immer zwei Mitstreiter einen Bereich der Liste und können sich bei Zweifelsfällen austauschen. Bis Ende des Jahres soll die Ersetzungsliste als Rohfassung fertig sein. Anschließend soll sie in ein Word-Makro umgewandelt werden, das dann jedem kostenlos zur Verfügung steht. Gesucht wird noch immer ein Helfer, der sich mit Visual Basic (VBA) auskennt und die nötigen Ersetzungsbefehle benennen kann. Hilfswillige melden sich bitte bei Alexander Glück. Die DEUTSCHE SPRACHWELT wird weiter über die Fortschritte des Projektes berichten und dankt für die breite Unterstützung.
@ Rätselraten um WDR-Serie Die Story: Soll die Geschichte sterben?
12. 10. 2000 (pau) „Die Story", zu deutsch: „Stirb, Geschichte!" So nennt sich eine Sendereihe des WDR. Nachfragen ergaben jedoch, daß der Titel eine deutsch-englische Sprachpanscherei darstellt. Ins Deutsche übersetzt soll dieses Engleutsch nämlich „Die Geschichte" bedeuten. Äußerungen des Mißfallens, des Spotts oder der Verwunderung über den rätselhaften Sendetitel kann man mit E-Post an die.story@wdr.de senden.
@ Geißler: Wir sollten zur Political correctness zurückkehren
11. 10. 2000 (pau) Eine Rückkehr zu politischer Linientreue, vor allem in der Sprache, fordert der CDU-Politiker Heiner Geißler in dem neuen Taschenbuch Sind die Deutschen ausländerfeindlich?". Wir sollten wieder zurückkehren zur Political correctness, was die Verwendung von Begriffen angeht", so der ehemalige Generalsekretär der CDU. Vokabeln wie Asylmißbrauch" seien verheerend". In dem Buch, das Geißler zusammen mit dem Bundestagspräsidenten Thierse und der FDP-Bundestagsabgeordneten Leutheusser-Schnarrenberger herausgibt, versuchen 49 Parlamentarier von Glos (CSU) bis Gysi (PDS), die Titelfrage zu beantworten. Heiner Geißler ruft am Schluß dazu auf, daß wir uns in der Sprache korrekt benehmen". Der Mißbrauch der Sprache" sei nämlich eine der Hauptursachen der Ausländerfeindlichkeit.
@ Académie Française schlägt wieder französische Wörter vor
10. 10. 2000 (pau) Die Académie Française will zum Schutz der französischen Sprache wieder Entsprechungen für den von der englischen Sprache beherrschten Weltnetz-Wortschatz finden. Das berichtet die Zeitschrift Computerwoche. Das Office de la Langue Française (OLF) aus dem kanadischen Québec will die Akademie dabei unterstützen. Aus „le chatroom“ (Plauderstube) soll beispielsweise nun „le bavardoir“ oder „le clavardoir“ werden. „E-Mail“ (E-Brief), bisher „courier électronique“, soll zum geschmeidigeren „courriel“ verkürzt werden. „Pourriel“ („pourri“ bedeutet „verfault“) wiederum ersetzt „Junk Mail“ (Müll-Nachricht). Der „Browser“ (Seitenbetrachter) heißt demnach „fureteur“, also „Schnüffler“; und aus der langsamen „Schneckenpost“ wird „escargotique“.
@ Autoraser bittet mit Dichtkunst um Gnade Die Polizei dichtet zurück
09. 10. 2000 (pau) Die Geldbuße in Höhe von 80 Mark und einen Punkt in Flensburg muß der Verkehrssünder jedoch auf sich nehmen. Der rasende Dichter reimte an die Bußgeldstelle, daß er doch nur seinen Enkeln etwas Gutes hätte tun und Ihnen eine Karl-May-Aufführung hätte zeigen wollen. Ich wollte nicht am Sonntag ruh'n / Und meinen Enkeln was Gutes tun. / Ein Ausflug in das Sauerland, / bei den zwei Jungs großen Anklang fand. / Die Freude war, oh Graus, oh Schreck, / schon vor der Autobahn in Ascheberg weg. / Ich bin da wohl zu schnell geflitzt, / sonst hätt' man mich wohl nicht geblitzt. / Bei Karl May in Elspe war der Tag dann doch noch schön, / die Enkel und ich bitten, von einem hohen Bußgeld abzuseh'n!" Die Polizei dichtete daraufhin zurück: Wer flitzt zu schnell zu Winnetou / mit Enkeln drin im Wagen / dem hilft auch nicht ein Manitu / er muß die Folgen tragen!"
@ Acht Sprachvereine warnen: Englisch bedroht kulturelle Vielfalt
08. 10. 2000 (pau) Mit der Entschließung von Friedrichshafen endete das internationale Treffen am Bodensee von acht Sprachvereinen. Beherrschendes Thema waren die staatlichen Bestrebungen in der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland, den Englischunterricht schon ab der 3. Klasse Volksschule verpflichtend einzuführen. Dieser einseitigen Begünstigung des Englischen erteilten die Vereine in ihrer Entschließung eine klare Absage. Die etwa 50 Abgeordneten der Sprachvereine stimmten bei einer Enthaltung und keiner Gegenstimme der Erklärung zu. Hermann Dieter (Verein Deutsche Sprache, Dortmund), Werner Pfannhauser (Interessengemeinschaft Muttersprache, Graz) und Peter Zbinden (Bubenberg-Gesellschaft, Bern) sprachen sich gemeinsam für eine „humanistische Sprachpflege" aus. Der Humanismus richtete sich an der griechisch-römischen Antike aus und förderte Latein als „lingua franca" der Wissenschaften.
@ Weiterhin Mitarbeiter für Word-Verdeutschungs-Makro gesucht
08. 10. 2000 (gpd) Die Arbeitsgruppe, die sich mit der Erstellung eines Word-VBA-Makros zur Entfernung von Anglizismen aus Texten beschäftigt, benötigt frischen Wind. Zwar hat sich schon eine Reihe von Mitarbeitern gefunden; doch ist sie noch zu klein. Wer Makros programmieren kann oder zumindest an der Ersetzungsliste mitarbeiten möchte (keine Rechnerkenntnisse erforderlich), möge sich bitte bei Alexander Glück, dem Leiter der Arbeitsgruppe, melden. Freiwillige Helfer, die an der Erstellung der Ersetzungsliste mitarbeiten wollen, bekommen einen Buchstabenbereich, eine Anleitung zur Erstellung und Reihenfolge der zu ersetzenden Zeichenfolgen, sowie das bereits in diesem Bereich vorhandene Material. Wenn man sich die Arbeit teilt, ist sie schneller getan. Liegen alle Teile der Ersetzungsliste vor, werden sie zusammengefügt. Nur durch die Mitarbeit einiger idealistisch gesonnener Mitstreiter kann hier bald zu einem Ergebnis gekommen werden bitte melden Sie sich, wenn Sie einen eigenen Beitrag zur Erhaltung der Muttersprache leisten wollen!
@ WIENER JOURNAL wurde zwanzig
08. 10. 2000 (gpd) Die in Wien erscheinende Kulturzeitschrift WIENER JOURNAL feiert im Oktober Geburtstag. Genau vor zwanzig Jahren erschien die erste Ausgabe des vom Feuilletonisten und Schriftsteller Jörg Mauthe gegründeten Blattes, das von Anfang an das Ziel hatte, bei der Unterscheidung zwischen Zeitgeist und Geist behilflich zu sein und dem Wortgeklingel einer immer mehr auf Effekte bedachten Zeit einen gelassenen Blick hinter die Kulissen entgegenzusetzen. Das WIENER JOURNAL ist ein liberales Medium mit der Fähigkeit, konträre Meinungen zu diskutieren und zu tolerieren. Das alles geschieht seit der ersten Ausgabe im Oktober 1980 in bewährter Rechtschreibung und solidem Deutsch und wird durch gelegentliche Satire sowie das Einsammeln von sprachlichen Rosinen aus anderen Medien überzeugend abgerundet. Zum Geburtstag alles Gute! Anschrift: Wiener Journal, Dorotheergasse 7, A-1010 Wien.
@ KMK will Überprüfung der Schreibreform auf 2001 vorziehen
06. 10. 2000 (dsw) Die Kultusministerkonferenz (KMK) will die Mängel der Rechtschreibreform früher als geplant überprüfen lassen. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Auf ihrer Vollversammlung in Bremen beschlossen die Kultusminister, eine Bestandsaufnahme der Stärken und Schwächen nicht erst im Jahr 2003, sondern schon im nächsten Jahr durchzuführen. Die KMK setzt dabei auf den Beirat der KMK und der Zwischenstaatlichen Kommission für die deutsche Rechtschreibung, in dem Schriftsteller, Verleger, Journalisten und Repräsentanten der Wörterbuchverlage vertreten sein sollen. Unterdessen bekräftigte der Vorsitzende des Vereins für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (VRS), Manfred Riebe, den Anspruch seines Vereins, in den Beirat aufgenommen zu werden: "Im VRS befinden sich zahlreiche Rechtschreib-Fachleute. Neben einer großen Zahl von Lehrern und Journalisten zählen wir auch unter anderem die Schriftsteller Günter Kunert, Reiner Kunze und Siegfried Lenz zu unseren Mitgliedern." Die vor allem von Gewinninteressen geleiteten Wörterbuchverlage hätten dagegen in einem solchen Beirat nichts zu suchen.
@ Münchner Appell zur Einheit der Rechtschreibung
03. 10. 2000 (dsw) Am "Tag der Deutschen Einheit" haben prominente Kritiker der sogenannten Rechtschreibreform eine Rückkehr auch zur Einheit der deutschen Schriftsprache gefordert. In ihrem "Münchner Appell" erklärten u.a. der Erlanger Sprachwissenschaftler Professor Theodor Ickler und Professor Christian Meier, der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, die Reform von 1996 sei so fehlerhaft, daß sie ständig "neue Schreibverwirrungen produziert". Zu den Erstunterzeichnern des Appells gehören auch die Schriftsteller Siegfried Lenz, Ilse Aichinger, Ota Filip, Elfriede Jelinek, Günter Kunert und Reiner Kunze. Wegen der zahlreichen verschiedenen Schreibweisen in Schulen, Verlagen und Firmen müsse die Reform zurückgenommen werden, heißt es im Appell.
@ VDS freut sich über einen Fehlschlag
02. 10. 2000 (vds) Als "erfreulichen Fehlschlag" sieht der Dortmunder Verein Deutsche Sprache (VDS) seinen Versuch zur Wahl des "affigsten Olympiareporters". Vereinsvorsitzender Krämer: "Die größte Peinlichkeit war der Name 'heroes' für das Olympia-Gewinnspiel von ARD und ZDF. Die Reporter vor Ort dagegen haben Deutsch geredet." Zwar hätten viele Zuschauer gegen die englische Aussprache von Wettkampfstätten wie "aquatic centre" oder gegen Ausdrücke wie "qualifying", "matchrace" und "olympic spirit" protestiert, aber solche vereinzelten Ausrutscher rechtfertigten keine Preisvergabe. "Ich finde es eher lustig," so Krämer, "wenn Johannes B. Kerner unsere Weitsprung Olympiasiegerin Heike Drechsler die 'Queen Mom' der deutschen Leichtathletik nennt."